
Türchen #7: Erzähl mir von einem Licht. Das Dir einmal den Weg gewiesen hat.
Wege zu meinem Stern
Auf der Seebrücke stand ich mal wieder, gehe über ihre Bohlen landwärts.
Ein Vogelschwarm, Strandkulisse, Silhouetten der Milchbar „Seestern“,
des Strandkorbverleihs der Familie Witt, des Hotels „Meereswoge“ …
Da entdecke ich ihn, ganz allein am nächtlichen Himmel,
zart aufstrahlend, aber hell und bestimmt,
meinen Stern!
Graal-Müritz, 13.12.2009
Noch manche wunderbare dämmrige Stunde bescherte mir damals meine orthopädische Kur an der See, 2 Monate nach dem Tode unseres geliebten Vaters.
In der Kindheit hatten wir wundervolle Sommerurlaube dort verbracht, ohne Auto, alles per Bahn und Postmietbehältern liebevoll organisiert, mit selbstgemachten Nudeln, Sandkuchen und Marmelade. Was für ein verlorenes Paradies dieser zahlreichen Strandwochen.
Und nun, allein hier, Jahrzehnte später als Kurgast.
Dieser Stern sollte mich weiterführen, hinaus über’n 85. Geburtstag des Vaters ein Vierteljahr danach, wo ich Familienerinnerungen aus dem Leben unserer Eltern in die Großfamilie brachte.
Sollte mich begleiten durch 12 weitere harte Berufsjahre, schönen Familienzusammenhalt mit vielen Höhepunkten und Talsohlen.
Hinein geleiten ins Rentenalter, durch Corona und Schreibkurse hindurch.
Besonders strahlt er mich stets in der Weihnachtszeit an:
von unserer hohen Kirchturmlaterne, aus unserm Apfelbaum zwischen leuchtenden Kerzen, strahlt er auf als unser Abend- und Morgenstern bis hin zu Lichtmeß am 2.2.26. Advents- und Weihnachtssterne, an Fenstern, Wänden, in Blumentöpfen, Sterne über Sterne.
Doch meiner von damals über der Seebrücke erinnert mich vielmehr an den Stern der Weisen vor 2000 Jahren auf ihrem Weg vom Orient nach Jerusalem, den sie dann bis Bethlehem verlängerten.
Es ist der Stern atemberaubender Suche nach sich selbst und nach dem kleinen Gotteskind in der Krippe.
Wenn er mir leuchtet in dieser Adventszeit, weiß ich felsenfest:
meine Suche wird auch 2025 belohnt werden. Ja ich werde ihn finden an irgendeinem Dezembertag, oft längst vor Heiligabend, denn er bleibt stehen über Krippe und Stall,
dann wird schon Weihnachten.
Wie finde ich meinen persönlichen Stern?
Ganz einfach, außerhalb meiner selbst und den Blick himmelwärts gewandt.
Lebenslang folge ich ihm, meinem Stern.
Albrecht Rabe (Frankenberg)

