Türchen #24

Türchen # 24: Schreib über den Weihnachtsabend. Gerne auch eine witzige Ode an den Kartoffelsalat, Lametta oder die Berge von Geschenkpapier nach der ‚Schlacht‘.

Der längste Tag des Jahres

Endlich ist der 24., heute ist Heiligabend! Draußen dämmert es, noch ist es nicht hell. Schnell hinaus, das letzte Türchen am Adventskalender öffnen. Wie spät? Erst halb 9. Noch so, so lange bis heute Abend. Alle rennen ‚rum, suchen Geschenkband oder die Schere, Mutter schält Kartoffeln und hobelt Rotkraut für morgen. Vater scheppert mit den Kohleneimern auf dem Flur. Ich lese ein Buch. Es ist gerade mal um 10. Dann schreibe ich den Brief an meine Freundin fertig. Wie spät jetzt? Bald um 11. Wenn doch erst Abend wäre.

Du kannst mal… na gut, einen Gang in den Keller mache ich, aber dann verkrümele ich mich wieder in mein Zimmer, lese weiter. Mittags gibt es Nudelsuppe mit Geflügelklein und wabbeligen Hautstücken drin, brrr. Erst um 2.

Jetzt gehen wir in die Kirche. Wenigstens geht da die Zeit ein bisschen schneller vorbei. Alles gestopft voll. Weihnachtsgeschichte, Lesung, Lieder, noch mehr Weihnachtsgeschichten. Alle singen. Warum gucken die immer so eigenartig bei Stille Nacht, manche holen sogar ihr Taschentuch raus? Komisch.

Endlich Schluss. Wir sammeln uns und gehen nach Hause. Fast. Vorher noch zu Frau Winkler, der alten Dame in der Hardenbergstraße. Sie lebt allein. Nochmal singen, nochmal Weihnachtsgeschichte. Zum Glück muss ich dieses Jahr nicht vorlesen. Jetzt holt sie auch noch Likörgläser ‚raus, das fehlte noch. Ich habe Hunger. Ich will endlich zur Bescherung. Es ist langweilig, was sie reden. Schließlich haben die Erwachsenen ein Einsehen und wir gehen nach Hause. Das letzte Stück rennen wir um die Wette. Es gibt Abendbrot, also Tisch decken, Gläser hinstellen, Besteck neben die Teller, Käsebrote in den Ofen. Endlich geht es los. Ich bin längst fertig, wieso brauchen die denn so lange für ihren Käsetoast. Ich bin aufgeregt, es kribbelt im Bauch. Und es dauert ewig, nun auch noch Tisch abräumen, alles in die Küche… endlich verschwinden die Eltern im Wohnzimmer. Das ist seit gestern zugeschlossen. Ich habe versucht, durch das Schlüsselloch zu gucken, aber nichts gesehen, ich glaube, sie haben von innen Papier ‚reingesteckt.

Wir treten uns im Kinderzimmer auf die Füße, die hat mich gerempelt, die doofe. Na egal. Es dauert immer noch. Sicher friemeln sie wieder an den Kerzen herum, dass nichts ankokelt. Ich hüpfe auf der Stelle herum. Mach doch nicht so Lärm… wieso ich… jetzt. Jetzt endlich. Wir stellen uns vor der Wohnzimmertür auf, die kleinste zuerst, alle anderen dahinter. Vater stimmt an: Ihr Kinderlein kommet… Ein kleiner Spalt der Tür geht auf, langsam erscheint ein heller Streifen auf dem Fußboden, wird breiter und breiter… und nun endlich ist die Weihnachtsstube offen. Wir treten ein und stehen in einer Wolke Tannenduft, so würzig, waldig, weihnachtlich, ein bisschen riecht es nach Schokolade und Orangen, es brennen nur Wachskerzen und der ganze Raum ist golden-hell und warm. Unterm Baum ist die Krippe aufgebaut, wie immer. Die Geschenktische stehen am Rand und bevor das Lied zu Ende ist, habe ich meinen Tisch entdeckt. Es rieselt ein wohliges Gefühl vom Scheitel über den ganzen Rücken hinunter… jetzt ist Weihnachten.

 

Ode an den Kartoffelsalat

Kartoffelsalat, oh Kartoffelsalat,
du schmeckst nicht nur zur Sommerzeit,
nein, auch im Winter, egal, ob’s schneit.

Beim Grillfest warst du mit dabei
doch wenn das Jahr zur Neige geht –
recht bald schon, dann ist es vorbei –
kommst du noch einmal auf den Tisch
am Weihnachtsabend, froh und frisch.

Mit Würstchen, feinem Rinderbrät
wirst du serviert, auch Apfel, Zwiebel
Joghurt und Mayo, nie von Übel.
Kartoffeln war’n gekocht schon frühe,
gepellt dann flugs mit fleiß’ger Mühe,
dann hattest du eine gute Weile
zu ziehen, denn Würze gibt’s nur ohne Eile.

Am Abend endlich kommt die große Frage:
erst Essen oder erst Geschenke?
Egal, was man darüber denke
Genauso groß ist auch die Spanne
dessen, was sonst noch in der Pfanne:

Ob Wiener, Bratwurst oder auch vegan
das ist dir alles gänzlich schnuppe.
Hauptsache, es gibt heut‘ keine Suppe.
Viel wichtiger ist der Wert von innen,
Geschmack, Gehalt und Gürkchen drinnen.

Vor allem auch gut durchgezogen.
Egal, ob Würste krummgebogen,
Du sitzt wie König auf dem Thron,
verpackt in feines Porzellan.
Die Kerzen schimmern heute matt
man stimmt schon bald die Lieder an,
am Ende sind dann alle satt

und sprechen schließlich laut und froh:
nächstes Jahr – genau wieder so!

Beate (Leipzig)

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