
Türchen #18: Schreib über ein Geschenk. Das Du einmal bekommen oder jemandem gemacht hast. Was hat es in Dir bewegt, dieses Geschenk zu empfangen oder an jemanden zu geben?
Das letzte Weihnachtsgeschenk
Geschenke stressen mich oft! Ich will etwas ganz Persönliches schenken, mir fällt aber ewig nichts Passendes ein und dann kommt die Zeitnot….
Mein Vater und ich waren schon länger stillschweigend dazu übergegangen, dass wir uns nichts an Weihnachten schenken. Das Wichtigste war, dass wir an einem der Feiertage Zeit miteinander verbrachten. Meine Eltern sind seit meiner Kindheit getrennt und daher war das nicht immer selbstverständlich.
An Weihnachten 2016 hatte ich doch wieder einmal eine bestimmte Vorstellung für ein Geschenk – für mich selbst! Ich wusste aber, dass ich mit meiner Bitte auch Papa ein Geschenk machen würde. Ich wünschte mir, dass er mir hilft, ein Küchenregal – ich hatte es genau vor Augen – für meine winzige WG-Küche in Straßburg zu bauen. Und so werkelten wir tatsächlich am 25.12. zusammen in der Werkstatt, und ich hatte am Ende ein wunderschönes, maßgeschneidertes kleines Küchenregal. Ich liebte es, und Papa hatte sichtlich Spaß daran, seine Handwerkskünste mit mir zu teilen.
Das quasi identische Regal verschenkte ich genau ein Jahr später noch einmal und zwar an meine beste Freundin, die es bei mir gesehen hatte und schockverliebt war. Also fragte ich meinen Vater, ob wir das Projekt wiederholen könnten. Er stimmte freudig zu und dieses Mal unterstützte uns sogar mein Bruder beim Werkeln am 26.12. des Jahres 2017.
Es war das letzte Geschenk, dass wir gemeinsam fabrizierten – und auch das letzte Weihnachten, das wir alle zusammen verbrachten. Kurz nach Ostern des Folgejahres ist mein Vater völlig unerwartet gestorben.
Das Küchenregal hat mich bis heute noch in drei weitere Wohnungen begleitet. Es wird mich immer an diese letzten beiden Weihnachten mit meinem Vater in der Werkstatt erinnern.
Papa war der erste von sieben Verwandten, die in den folgenden 5 Jahren gehen mussten. Das hat mich in der Auffassung bestärkt, dass nicht die Geschenke zählen, sondern die gemeinsam und friedlich verbrachte Zeit mit lieben Menschen.
Eva L.

Blick vom Daybed auf sonnenbeschienenes, handgemachtes Küchenregal

