
Türchen # 23: Schreib über Hoffnung. Was bedeutet sie Dir? Worauf hoffst DU?
„Nicht müde werden, sondern dem Leben leise, wie einem Vogel, die Hand hinhalten“ lautet ein Zitat von Hilde Domin, das ich sehr mag.
Vielleicht darf man aber auch müde werden, bei allem, was da gerade passiert in dieser verrückten Zeit und Welt. Vielleicht ist es ok, erschöpft zu sein von allem und nicht mehr mitzukommen. Aber die Hand ausstrecken geht vielleicht trotzdem.
Denn wer Hoffnung hat, kann weitermachen. Weiterleben. Weiter in der Welt sein, auch wenn sie anders ist, als man sie sich wünschen würde. Und vielleicht ist auch die eigene Welt gerade, oder auch schon länger, anders, als man sie gerne hätte.
Aber vielleicht kann man nicht nur dem Leben die Hand hinhalten, sondern auch einander. Sich die Hände reichen, ob fremde oder bekannte, und sich so Stück für Stück gegenseitig aus der Dunkelheit ziehen, bis es irgendwann wieder heller wird. Und vielleicht ist die Dunkelheit auch nicht nur schlecht; vielleicht braucht man sie manchmal, damit es danach wieder heller werden und sich neu sortieren kann.
Matt Haig schreibt: „Nichts ist stärker als eine kleine Hoffnung, die niemals aufgibt.“ Und diese Hoffnung trage auch ich in mir: Dass alles irgendwann wieder etwas leichter, etwas besser, etwas menschlicher wird. Im Innen wie im Außen. Und wer weiß, womöglich kann man das eine oder andere auch selbst in die Welt bringen, wonach man sich sehnt. Nicht im Großen – aber im Kleinen. Im Alltäglichem. Zum Beispiel, indem man die Hand ausstreckt.
Vielleicht ist genau das mit Hoffnung gemeint.
Antonia Friemelt

